Auf-und-Untergang // 1. 5nachsechs Afterwork Konzert
Werke von
- Carl Nielsen (1865–1931)
- Helios Ouvertüre op. 17
- Robert Schumann (1810–1856)
- Symphonie Nr. 4 d-Moll op. 120
Besetzung
- Stephanie Childress
Dirigat und Moderation
Das von der internationalen Fachpresse hochgelobte Trio-Debüt „Molecular soul“ bescherte dem Brämswig Trio den Einzug in das Finale beim Neuen Deutschen Jazzpreises 2017. Darauf folgten Internationale Konzerte. Mit „Catalyst“ liegt nun die langerwartete zweite Veröffentlichung mit abermals ausschliesslich Eigenkompositionen des Bandleaders vor. Die drei umtriebigen und gefragten Musiker der renommierten Kölner Szene um Gitarrist Philipp Brämswig schaffen faszinierende Klangwelten jenseits von Stilgrenzen und erfreuen sich und ihre Zuhörer mit ihrem berauschenden Zusammenspiel. Neben einer natürlichen Virtuosität ist vor allem die mal einfühlsame, malzupackende Interaktion zum Markenzeichen der Band geworden. Sich verschiedenster
Einflüsse bedienend, schafft Brämswig seine Version von Modern Jazz und vereint Sphärisches mit Rockelementen, Intellekt und Groove, Sangliches mit Abstraktem.
Besetzung:
Philipp Brämswig – Gitarre, Komposition
Florian Rynkowski – E-Bass
Fabian Arends – Schlagzeug
Copyright Text & Bild: KULTUR.WERKSTATT Westend
Die neue Inszenierung von »Romeo und Julia« in der bremer shakespeare company (2001 in der Regie von Rainer Iwersen und 2013 in der Regie von Nora Somaini) bringt der Schauspieler und Regisseur Michael Meyer heraus. Er erzählt die Geschichte der ersten, großen Liebe, die in einem Umfeld von Hass und Fehde zwischen den beiden Jugendlichen der verfeindeten Familien Capulet und Montague entbrennt in einer rasanten Fassung: Die mitreißende Wirkung des Tragödienstoffs und die sprachliche Kraft Shakespeares wird mit treibenden Beats des Beatboxers Mando und den akzentuierenden Kampf- und Tanzchoreographien verstärkt. Ein Theaterabend, der mitten ins Herz zielt, auch und besonders bei jungen Zuschauer:innen.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
Königin Elisabeth und Maria Stuart sind von ihrem Selbstverständnis her beide dazu prädestiniert, als Königin über England zu herrschen. Ihr Konflikt um die Herrschaft ist gleichzeitig ein Kampf zwischen katholischen und protestantischen Kräften, die um die Vorherrschaft auf der Insel ringen.
Ihre Welt ist gleichzeitig eine Bühne und ein Gefängnis, denn die Blicke der Welt lassen keinen ihrer Schritte und Handlungen unbeobachtet. In der Welt der beiden Königinnen Welt gibt es kein privates Leben, keine Trennung zwischen innen und außen. Doch das Beharren auf dem rechtmäßigen Anspruch auf die Rolle der Königin und der Einsatz von Manipulation und Zwang ist für beide die einzige Chance, gegen Feinde und falsche Freunde zu bestehen.
Der biographische Punkt, an dem sich Maria Stuart und Elisabeth treffen ist der Wendepunkt: Das Todesurteil gegen Maria ist geschrieben und Elisabeth zögert, es zu unterschreiben – zu weitreichend sind die weltpolitischen Folgen! Doch die Zeit spielt gegen sie beide.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
No more I love you’s
The language is leaving me
No more I love you’s
Changes are shifting outside the words
(The lover speaks about the monsters)
Annie Lennox
In ihrem Roman schickt Virginia Woolf ihre Titelfigur Orlando auf eine fantastische, 300jährige Lebensreise durch unterschiedliche Zeiten und Genderrollen. Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1928 hat dieser Roman Generationen von Leser:innen fasziniert und inspiriert, besonders Menschen, die sich keinem der für sie vorgesehenen sozialen und sexuellen Rollenmodelle wiederfanden. „Orlando“ spielt die Möglichkeit durch, spielerisch oder existenziell ein anderes Lebensmodell zu erproben.
Die Titelfigur Orlando wird im 16. Jahrhundert als Mann, Spross eines alten Adelsgeschlechts, geboren. Er wird zum Günstling Elizabeth I., bis er sich in eine russische Prinzessin verliebt, die ihm das Herz bricht. Er verwandelt sich im 18. Jahrhundert, während er als Gesandter in Konstantinopel lebt, über Nacht in eine Frau und lernt mit Mühe und Amüsement die Bequemlichkeiten, aber auch Zwänge der neuen Geschlechterrolle kennen. Im 19. Jahrhundert begehrt sie gegen die immer restriktiveren Rollenvorstellungen auf und registriert verwundert den enger werdenden Gefühls- und Aktionsradius des gesellschaftlichen Umgangs, doch sie entdeckt die Liebe neu.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erleben wir sie als eine Frau, die in ihrer Zeit lebt, einer Zeit, in der sich die Menschen durch gesteigerte Mobilität und vielfältigen Konsum voneinander entfremden und die neben der bisher ungekannten individuellen Freiheit auch den Zwang, bzw. die Verführung, zur Konformität enthält. Eine Lebensreise durch Epochen und Gender, die gesellschaftliche Konventionen und die Dimension von Zeit in Frage stellt und die Literatur und Imagination als Lebenskonstanten feiert.
Der brasilianische Regisseur und Performance-Künstler und das Ensemble zeigen in der Inszenierung hervorragendes Schauspiel, ein wandelbares Bühnenbild und opulente Kostüme im Zusammenspiel. Das choreografierte Spiel des „Chores“ spiegelt den ironischen Unterton der Romanerzählung, zudem schlüpfen die vier Spieler immer wieder in die Einzelrollen der jeweiligen Weggefährten Orlandos in den unterschiedlichen Epochen. Der Soundtrack präsentiert musikalische Ikonen und subkulturelle Einflüsse.
Orlandos Geschichte hat in den Herzen vieler Leser- und Theatergenerationen den Keim der Spiellust, des Widerstands gegen Konformismus und der Erneuerung gepflanzt. Für den brasilianische Regisseur und Performance-Künstler Rodrigo Garcia Alves hat die Lektüre des Romans „Orlando“ einen Wendepunkt in seiner Biografie bedeutet: geboren und aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Ländlichen Brasilien, half ihm der Roman, seine eigene Identität zu erkennen und zu verwirklichen. Schauspiel und Performance boten ihm die Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken und sie als Motor für seine kreative Arbeit zu nutzen. Für Alves ist Orlando ein Liebesbrief, aber auch ein Zeugnis dafür, wie uns die Natur zeigt, dass es keine Grenzen für Identität, Zeit und Vorstellungskraft gibt.
Bis auf Weiteres spielt Magdalena Julia Simmel statt Sofie Alice Miller die Titelrolle ORLANDO.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
In Athen hat wahre Liebe einen schweren Stand – kein Wunder: ihr Herrscher Theseus hat seine Braut Hippolyta als Kriegsbeute mitgebracht und zwingt sie zur Heirat. Auch Hermia soll zur Heirat gezwungen werden – mit Demetrius. Doch Hermia weigert sich, Demetrius zu heiraten, sie liebt Lysander und flieht mit ihm des Nachts in den Wald. Doch Demetrius ist ihnen auf den Fersen, allerdings heftet sich an seine Fersen auch jemand. Helena, die ihn schon lange vergeblich anhimmelt. Aber was kann schon gut werden in diesem nächtlichen Wald, dessen Herrscher, der Elfenkönig Oberon heillos zerstritten ist mit seiner Frau Titania – statt Liebe ist nur Eifersucht zwischen den beiden!
Shakespeare hat diese vielfache Liebesverwirrung in eine zauberhafte Komödie verwandelt, in der Humor und sehnsuchtsvoller Traum magisch verschmelzen.
Das Drama um die vier Liebenden, die im nächtlichen Wald von dem zerstrittenen Elfenkönigspaar ins „Bockshorn“ gejagt werden, ist in den vergangenen Jahrzehnten bereits dreimal von der bremer shakespeare company neu inszeniert worden. Mit Patricia Benecke (“Das Wintermärchen, „Der seltsame Fall der Prudencia Hart“) als Regisseurin bringt sie die beliebte Traum-Komödie mit nur vier Schauspieler:innen neu auf die Bühne. Mit einfachen Requisiten und ein paar Musikinstrumenten wirft sich das Quartett unter dem Motto „Wenig Materialaufwand, dafür umso mehr Fantasie“ in die rasant-wendigen Wechsel der Figuren und Spielsituationen und zieht die Zuschauer in Shakespeares sommernächtliche Licht- und Schattenwelten.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
Der alte, verbrauchte Komiker Svetlovidov ist nach der Vorstellung, seiner letzten, betrunken in seiner Garderobe eingeschlafen. Nun irrt er nachts über die leere Bühne. Zu ihm gesellt sich der junge Souffleur Ivanyc, der kein Zuhause hat und das Theater heimlich als Schlafstätte nutzt. Mit ihm resümiert der alte Schauspieler sein Leben – ein eher triste Lebensbilanz. Er denkt laut über die großen Rollen der Weltliteratur nach und macht den jungen Ivanyc, der in seiner prekären Situation zum Spielpartner in der Not. Mit der Zeit verwandelt sich das Spiel zwischen dem alten Svetlovidov und Ivanyc in ein konfliktbesetztes Vater-und-Sohn-Verhältnis um. Die Autorität des „Vaters“ Svetlovidov bröckelt vor der Widerständigkeit des „Sohnes“ Ivanyc. Gräben des Missverstehens, der gegenseitigen Ablehnung und Enttäuschung tun sich zwischen ihnen auf. Die Zeit des Alten scheint unaufhaltsam zu Ende zu gehen, so dass der Junge seinen Platz einnehmen kann. Ivanyc ergreift seine Chance – mit den Mitteln des Theaters!
Das Stück wird in Bezug gesetzt zu Erik Roßbanders eigener Karriere, die 1984 in der DDR begann und mit den 35 Jahren intensiver Theaterarbeit in der bremer shakespeare company ihre Fortsetzung fand. Den jungen Souffleur Ivanyc spielt Ilja Roßbander, der nach dem Abschluss seines Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule in München als Schauspieler vor allem in Film- und Fernsehproduktionen aktiv war. In Bremen ist der gemeinsame Bühnenauftritt von Vater und Sohn ein Novum.
Der Regisseur Thomas Weber-Schallauer hat bei der bremer shakespeare company bereits mehrere Shakespeare-Stücke und andere inszeniert, darunter „Perikles“ (2013), „Verlorene Liebesmüh“ (2011) und „Wie es euch gefällt“ (2015).
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
100 Bremer Jüdinnen und Juden flüchten nach 1933 nach Argentinien, Chile und Uruguay. Nach Chile flüchten zuerst bekannte Rechtsanwälte, darunter z. B. Dr. Richard Hamburger und Dr. Hermann Lehmann, denen im April 1933 ihre Zulassung als Anwalt entzogen wurde. Bis 1940 entschieden sich für die Flucht auch Viehhändler, Baumwollklassierer, Verkäuferinnen, u.v.a. In der Lesung wird anhand einiger Biographien exemplarisch aufgezeigt, wie das Landesamt für Wiedergutmachung nach dem Krieg mit ihnen umging. Während die Ansprüche von Rechtsanwälten meist vollständig bewilligt wurden, hatten es Frauen, z.B. Verkäuferinnen, deutlich schwerer, eine auch nur geringfügige Entschädigung zu bekommen. Die Ausgaben für Wiedergutmachung wurden in der Bevölkerung und von Politikern wie Bundesfinanzminister Fritz Schäffer (CSU) immer wieder kritisiert.
Dagegen setzte sich Gerhard van Heukelum, 1948 bis 1959 Senator für Arbeit in Bremen, immer wieder dafür ein, Opfern des Nationalsozialismus Entschädigungen zu bewilligen.
Szenische Lesung ass der Reihe »Aus den Akten auf die Bühne«. Kooperation bremer shakespeare company und Universität Bremen.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
“Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode” – Warum spielen wir HAMLET in originalem Shakespeare-Englisch? Ist das für heutiges Publikum – noch dazu Deutsch-Muttersprachler mit Schul-Englischkenntnissen – nicht viel zu schwer zu verstehen? Wir denken, nein, ist es nicht. Denn Shakespeares Texte wurden nicht geschrieben, um sie stumm lesend im “stillen Kämmerlein” als reine Literatur zu konsumieren, sondern sie wurden für die Bühne geschrieben, für Schauspieler, die die Worte in ihrem Mund und mit ihrem körperlichen Spiel zum Leben erwecken.
Zu Shakespeares Zeit war das Theater keine hochgestochene “Akademiker-Veranstaltung”. Da saßen oder standen Menschen aller Stände und aller Grade von Bildung oder Unbildung zusammen und ließen sich von den Geschichten und Figuren in diese faszinierende Dramenwelt entführen. Es spielte keine Rolle, wenn einem das eine oder andere Wort oder eine Anspielung in einer Zeile entging. Der Verständlichkeit des Dramas tat das keinen Abbruch – denn es war ja schließlich Theater und keine “lecture”. Was alle Zuschauer:innen gleichermaßen verband, war der Genuss des unvergleichlichen “Sounds”, der Shakespeares Verse so unverwechselbar macht und dessen Faszination die Jahrhunderte überdauert. Genießen Sie also einfach genau wie das Publikum zu Shakespeares Zeit, und es entgeht Ihnen nichts!
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company
Wie ist Kreativität jenseits des Digitalen? Poetisch, körperlich, live – ganz ohne Filter!
Pausenlos flimmern Bildschirme und Algorithmen kuratieren unsere Informationen – digitale Welten sind permanent verfügbar und scheinen oft greifbarer zu sein als echte. Wir müssen uns fragen: Wie sieht eine schöne neue Welt ohne ständige Verbindung aus? Unter dem Motto „Analoge neue Welt“ begeben sich Schüler:innen auf eine kreative Entdeckungsreise zurück zu den Wurzeln der Ausdrucksmöglichkeiten: dem Körper, der Stimme, der Bewegung, dem Wort. Ganz ohne Likes, Streams oder künstliche Intelligenz entsteht Kunst, die im Moment lebt – roh, echt, unperfekt und menschlich.
Ob durch Sprache, Kunst, Theater, Tanz, Film oder andere Künste: Die Teilnehmer:innen entwickeln unter professioneller Anleitung eigene Werke, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie eine Welt aussehen könnte, in der Begegnung, Empathie und analoges Erleben wieder ins Zentrum rücken. Was bedeutet Menschsein, wenn wir den Stecker ziehen? Wie klingt, fühlt und bewegt sich eine Zukunft ohne digitale Dauerbeschallung?
In diesem Projekt wird nicht nur performt – es wird gefragt, hinterfragt, gespürt und gestaltet. Die analoge neue Welt ist kein Rückschritt, sondern ein bewusster Perspektivwechsel. Eine Einladung zu einer künstlerischen Utopie.
Copyright Text & Bild: Shakespeare Company